Von Roland Dingfeld

1-06-20
Potentialfrüherkennung…

Vor Jahren fand ich mich in einem Arbeitsraum in einer Situation wieder die mir, einem gut sozialisierten Mann von etwa 30 Jahren, gänzlich schräg erschien. Verschiedene Aufgaben, so die kurze Erläuterung, dienten zunächst dazu das „Becken zu aktivieren“ und sich „aufzuladen“. Ich zog ein virtuelles Seil aus der Decke, stieß mich an imaginären Steinen ab und holte dabei meine Kraft aus dem Becken und dem Bereich des „Schambeins“. Mit anderen Worten: Ich wackelte kräftigst mit dem Hintern. Um genau zu sein wackelte ich erst Monate und Jahre später wirklich mit dem Hintern. Zunächst einmal fühlte es sich an, als stecke der sprichwörtliche Stock in Selbigem und verhindere jede weiche und organische Bewegung unterhalb des Halses und oberhalb der Knie. Und zunächst ein Mal hatte ich das nahezu unstillbare Bedürfnis kund zu tun, wie dämlich mir all das erschien und wie wenig ich davon hielt. Doch tat ich es nicht. Ich ging weiter und warf mich in Übungen die ich nicht verstand. Wieso ich nicht einfach weg ging, meinen Freunden bei mehreren Bieren erklärte, in was für einen merkwürdigen Film ich da geraten war, sollte sich mir erst viel später erschließen.

So plakativ diese Zeilen vielleicht erscheinen mögen, so sehr beschreiben sie meiner Meinung nach das Wesen des Rituellen Spiels, des Körpertheaters. Nur kurz sei hier angerissen, dass diese … ich nenne sie mal Sinnesschule … aus einer Vielzahl von Übungen zur eigenen Wahrnehmung, zum Spüren von Spannung im Raum und dem was uns umgibt ein Ganzes macht. Es öffnet einen Raum, der mit einer wundervollen Unaufgeregtheit und ohne jede Bedeutungs­ oder Deutungsschwere einlädt, sich eigenen Mustern, Macken, Ängsten und vor allem aber auch tief verborgenen Wünschen und Träumen im Spiel zu stellen. Und vor allem lehrt es, sie auszuhalten.

Die „Methode“ selbst näher zu umschreiben wäre an dieser Stelle müßig. Nur so viel: Nahezu jeder von uns akzeptiert, dass eine Taube in der Lage ist, ohne nachvollziehbare Erklärung ihren Weg zu finden. Der Großteil von uns sah im „Krieg der Sterne“ dass „Die Macht“ überall ist und dem Jedi seine Kraft verleiht. Sprichwörter beschreiben unsere „Nackenhaare die sich sträuben“, reden vom „Bauchgefühl“. Und viele von uns sind aufgespannt zwischen eben diesen Bildern, dem Wissen um diese Dinge und den Händen, die in stillen Momenten furchtsam nach technischen Geräten greifen.

Körpertheater ist eines der Werkzeuge die uns wieder begreiflich machen woher wir kommen. Und, man kann daraus sogar Theaterstücke machen…

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